Nicht die Länge entscheidet

Um es gleich vorwegzunehmen, es geht in meinem heutigen Post nicht um Liebe, Sex und Zärtlichkeiten (Hilfe, die Bravo hat mich sozialisiert!), sondern um etwas auf den ersten Blick viel langweiligeres: Literatur. Genauer gesagt um die Kurzgeschichte.

Gähn, schnarch, wegklick – so, liebe Stammleser, jetzt sind wir unter uns. :)

Mich hat kürzlich ein junger Mann im Zug gefragt, warum ich eine Kurzgeschichte lese, Romane seien doch viel besser. Nicht die Länge entscheidet, habe ich ihm spontan geantwortet und damit unfreiwillig das ganze Abteil unterhalten.

Obwohl das Gespräch danach in eine andere Richtung abbog, hat mich die Frage noch einige Zeit beschäftigt und ich habe mir so meine Gedanken gemacht. Es wurden sehr fruchtige Gedanken, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

kurzgeschichten

Äpfel oder Birnen? Hauptsache Obst!

Die Vor- und Nachteile einer Kurzgeschichte dürften den meisten hinlänglich bekannt sein, ich möchte euch daher nicht mit einer weiteren Gegenüberstellung von Kurzgeschichte und Roman auf die Nerven gehen. Ohnehin bin ich kein Freund dieser Vergleiche. Das eine sind Äpfel, das andere Birnen, beides vermischt ein Obstsalat mit dem Namen Novelle.

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und daher versuche ich euch gar nicht erst mit sachlichen Argumenten davon zu überzeugen, dass Äpfel besser als Birnen sind (Tausende von mir in Auftrag gegebene Studien haben dies längst bewiesen 😉 ), sondern nutze die Zeit, um euch zu erzählen, warum ich Äpfel liebe.

Äpfel sind klein, rund und knackig … hmmm, das funktioniert so nicht. Verlassen wir die Metapher und geben dem Apfel einen Namen: Kurzgeschichte.

Ich mag Kurzgeschichten, weil sie nur den Weg vorzeichnen und der Erzähler mich mit meinen Gedanken häufig alleine lässt. Er hat keine Zeit für mich, oder keinen Bock, dies liegt wie so oft im Auge des Betrachters. Während Romanautoren sich als gut ausgebildete Reiseführer erweisen, die sich die Zeit nehmen, dem zahlenden Kunden alles bis ins kleinste Detail zu erklären (es dabei leider auch manchmal übertreiben – ich denke spontan an „Der Schwarm“), ist der Kurzgeschichtenautor mehr so ein Art Low-Budget-Führer, der einen an Ort XY bringt, sich ins nächste Cafe setzt und verkündet, dass es in fünf Stunde weiter geht. Auf die Frage, ob es denn kein Programm gäbe, reagiert er ziemlich angepisst und sagt, dass man bei einer 50-Seiten-Reise diesen Schnickschnack nicht erwarten könne, außerdem sei er nur der Busfahrer.

Mir ist klar, dass diese Form des Reisens nicht jedermanns Sache ist, aber ich finde sie als Kontrast zu einer guten Führung sehr spannend. Ich denke, die Mischung macht’s, womit wir dann wieder beim Obstsalat wären. :)

Fruchtige Grüße
♥ Eure Diary ♥

PS: Wie ist euer Verhältnis zu Obstsalat, Low-Budget-Reisen und anderen fruchtigen Literaturabenteuern? Freu mich auf eure Meinungen.

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